Praxis

Alltag als Lehrraum

Alltägliche Situationen bieten zahlreiche Gelegenheiten zum Lernen – sie fordern heraus und eröffnen zugleich neue Chancen. Die gezeigten Bilder verdeutlichen, wie Lernen zu Hause in den Alltag integriert werden kann.

Ursula Sommer | Kinaesthetics

Wahrnehmung durch Gewichtsverlagerung

Manche Menschen können eine Körperhälfte nicht mehr so wahrnehmen wie die andere. Das kann nach einem Schlaganfall oder einer schweren Kopfverletzung der Fall sein. Es ist wichtig, dass diese Menschen lernen, wieder Gewicht auf dieser betroffenen Seite zu übernehmen. Das gelingt in stabilen Positionen wie dem Sitzen leichter, als in instabilen Position wie dem Stehen. Knöcherne Strukturen wie der Ellbogen, das Knie, … eignen sich gut dafür.

Selbstberührung aktiviert das Gehirn

Gesunde Menschen berühren sich viele Male täglich im Gesicht. Wenn eine Körperhälfte eingeschränkt ist, hilft es, wenn wir Menschen dabei unterstützen, sich selbst im Gesicht zu berühren. Die Hand ist sehr sensibel, so kann man das Gehirn dabei unterstützen neue Verknüpfungen wiederherzustellen und in der Folge die Wahrnehmung verbessern. Ebenso, wenn sich die Innenflächen der Hände berühren.

Ursula Sommer | Kinaesthetics
Ursula Sommer | Kinaesthetics

Der Weg zählt

Der Weg vom Sessel auf den Boden kann vielfältig gestalten werden. Wesentlich dabei ist das Gefühl der Sicherheit. Hilfsmittel wie Blocs (hier in schwarz und blau) können helfen, den Weg zu verkürzen. Im Vordergrund steht der gemeinsame Lernprozess, ganz im Sinn von „der Weg ist das Ziel“.

Bauchlage als sensorische Chance

Die Bauchlage hilft, besonders die Vorderseiten von Gesicht und Oberkörper intensiver wahrzunehmen, da dort mehr Gewicht als üblich ist. Diese Lage wird in der Pflege oft wenig genutzt, dabei hat sie den Vorteil, dass das Gesäß frei von Gewicht ist. Der Nachteil ist, das diese Lage meist für einen kürzeren Zeitraum toleriert wird.

Ursula Sommer | Kinaesthetics
Ursula Sommer | Kinaesthetics

Sicher stürzen lernen

Nach einem Sturz ist die Verunsicherung oft groß – das Vertrauen in den eigenen Körper gerät ins Wanken. Umso wichtiger ist es, aktiv zu werden und die „Flucht nach vorne“ zu wagen: Wer lernt, kontrolliert und sicher zu Boden zu gehen und anschließend wieder aufzustehen, gewinnt wertvolle Selbstsicherheit zurück. Denn Stürze lassen sich nicht vollständig vermeiden – sie sind Teil des Lebens. Die Fähigkeit, sich nach einem Sturz selbstständig aufzurichten, schenkt Menschen in jedem Lebensabschnitt ein beruhigendes Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.

Ressourcen nutzen statt ersetzen

Meine ersten Erfahrungen sammelte ich mit meiner Oma. Sie wurde bis dahin immer von hinten aus der Badewanne gehoben, weil sie nicht mehr die Kraft hatte, ihren ganzen Körper mit ihren Armen hochzustemmen. Daher haben wir gemeinsam einen neuen Weg erarbeitet. Wie auf den Fotos zu erkennen ist, hat sie sich in der Badewanne umgedreht. So konnte sie ihr Gewicht auf die Arme und Beine verteilen und ohne fremde Hilfe aus der Badewanne raus.

Ursula Sommer | Kinaesthetics - Praxis

Mit kleinen Impulsen Großes bewegen